Alois Franz Bambula
*10.04.1911 München, + 24.01.2005 Murnau am Staffelsee, (in Dresden-Hellerau beerdigt)


Soloposaunist, Kammervirtuos, Mitglied vom 01.09.1934 bis 31.07.1982
 

1917 - 1929   Volksschule und Oberschule in München
 
1920 - 1924   Volksschule Tel? (Tschechoslowakei).
Musizieren auf der Piccoloflöte und einer von seinem Vater für ihn aus dem Krieg (Italien) mitgebrachten Geige.
Erwerb eines Flügelhorns von einem alten Zigeuner und spontanes Erlernen des Instruments zum Spielen von Liedern
 
1925 - 1930  

Rückkehr nach München. Kürschnerlehre

Selbstfinanzierter privater Geigenunterricht

Geigenprüfung im öffentlichen Konzert - auswendig gespielter Vortrag des Violinkonzertes in E-Dur von Johann Sebastian Bach

Privater Posaunenunterricht bei Kammervirtuos Friedrich Sertl (Staatsoper München)


Friedrich Sertl, Lehrer von Alois Bambula

Gesellenprüfung im Kürschnerhandwerk

Preisträger des Süddeutschen Bläserwettbewerbs
 

1930 - 1933   Studium am Trapp`schen Konservatorium für Musik in München

Nebenerwerb als Musiker u.a. an der Bühne von Karl Valentin

Zweite und stellvertretende erste Posaune im Orchester des Bayerischen Staatsschauspiels und im Münchener Volkstheater

Freundschaftsbeziehungen zu Bildhauern, Malern und Musikern des Münchner Künstlermilieus, speziell zu dem Bildhauer Rudolf Pfefferrer, zu dem Maler Rudolf Hartmann und zu dem Komponisten Karl Amadeus Hartmann

Mitglied im Kreis der "Vereinigung Juryfreier Künstler" zusammen mit Karl Amadeus Hartmann und Werner Egk bis zum Verbot der Vereinigung 1933

Starkes Interesse für Philosophie und für die griechische Antike.

Zusammenarbeit mit Igor Strawinsky bei der Aufnahme von Kammermusik in München.

Volontariat an der Staatsoper München

Abschluss am Trapp`schen Konservatorium der Musik in München bei Friedrich Sertl. Im Abschlusszeugnis stand u.a.: "Herr Bambula ist ein Posaunist von selten hohem Können. Seine Technik ist vollendet und seine Tongebung ergreift durch die tiefe Verinnerlichung und Wärme, die seiner urwüchsigen Musikalität entspringt..."

Erster Soloposaunist im Hessischen Landestheater Darmstadt.
 
1934 -1936   Einladung zum Probespiel an die Sächsische Staatskapelle Dresden durch ihren damaligen Generalmusikdirektor Karl Böhm, der ihn in Darmstadt gehört hatte. Nachfolgendes Engagement als Erster Soloposaunist unter ausdrücklicher Empfehlung Karl Böhms.


Alois Bambula etwa 1934

Lehrer an der Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle und späteren Akademie für Musik und Theater.

Teilnahme u.a. an der Uraufführung von Richard Strauss' Oper "Die schweigsame Frau" unter Karl Böhm und mit Maria Cebotari.

Autodidaktisches Erlernen der altgriechischen Sprache zum Lesen philosophischer Texte der Antike.

Teilnahme im Jahr 1936 u.a. an dem zweiwöchigen Gastspiel der Staatskapelle Dresden im Londoner Covent Garden unter Richard Strauss und Karl Böhm
 

1937 - 1944   Ernennung zum Kammervirtuosen

Stellenangebot an der Deutschen Oper in Berlin, dem er nicht nachkam

Eintreten für moderne, damals als " entartet" gebranntmarkte und unter Aufführungsverbot stehende Musik (speziell Hindemith) und deren Pflege im privaten Kreis.
 
1945   Als Kapellmitglied Luftschutzwache in der Semperoper während der Bombennacht am 13. Februar.
Unter Einsatz des eigenen Lebens brachte er wertvolle Instrumente aus dem Instrumenten-Depot der Oper in nahe gelegene, unterirdische Gewölbe in Sicherheit.
 
1948 - 1954   Dozent für Posaune, Bläserzusammenspiel und Kammermusik an der damaligen Akademie für Musik, heutige Hochschule für Musik Carl-Maria von Weber

Vorträge zu Themen wie "Die Wahrheit auf der Bühne bei Stanislawski" und "Das Theater Bert Brechts"

Gründung des Studienfaches "Methodik für Blechbläser"

Rege kammermusikalische Tätigkeit zur Pflege moderner und alter Musik.
 
1955 - 1960   Vorsitzender und Vizepräsident der Internationalen Festival-Jury für Holz- und Blechbläser in Warschau


Alois Bambula mit den Kollegen Simon und Wirrmann um ca. 1955

Verleihung der Chopin-Medaille von Seiten des polnischen Staates

Organisation und Leitung einer China-Tournee mit 11 Bläsern der Staatskapelle in mehrere Städte des Landes

Engagement im Rahmen der Kulturveranstaltungen "Neue Musik" und der Kammermusik der Staatskapelle Dresden

Anregungen und Zusammenarbeit zu zahlreichen neuen Bläserkompositionen zeitgenössischen Gehalts mit den Komponisten K. Meister, Johannes Paul Thilman, Fidelio Finke, Otto Reinhold, Werner Hübschmann, Herbert Viecenz, Siegfried Kurz, Gerhard Rosenfeld, B. Kretschmar und Karl Friedrich, die in den 50iger,60iger und 70iger Jahren fast alle im Rahmen kammermusikalischer Veranstaltungen der Staatskapelle im In-und Ausland sowie an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" aufgeführt wurden.

Jahrelanger Gedankenaustausch und rege Zusammenarbeit mit Musikwissenschaftlern; speziell intensive Forschung zur Entwicklungsgeschichte der Blechblasinstrumente und der Instrumentation und daraus sich ergebende Beratertätigkeit bei diesbezüglichen Veröffentlichungen.

Entwicklung von zwei Typen der Kontrabassposaune, um den klanglichen Anforderungen der Staatskapelle zu entsprechen: 1. Modell: unter seiner Anleitung von Instrumentenbaumeister Krönlein (Blechblas- und Signalinstrumentenbau Markneukirchen) gebaut; 2. Modell (unter Beteiligung von Hans Kunitz) ermöglicht die Umstellung auf zwei Druckventile.

Erfolgreiche Initiative für die Einführung der Kontrabassposaune in der Dresdner Staatskapelle bei jenen Werken, bei denen (entgegen der Klangintention des Komponisten) in den Orchestern üblicherweise die Tuba eingesetzt worden war, z.B. bei Verdi (Partiturbezeichnung "cimbasso") und Puccini, was beispielgebend für andere große Opernbühnen wurde.

Musikwissenschaftliche Mitarbeit an der Konzipierung einer Rundfunksendung zum Thema der Kontrabassposaune, in der die musikalischen Beispiele von dem damals jungen Bassposaunisten der Staatskapelle Hans Hombsch ausgeführt wurden, der für dieses Projekt gewonnen worden war.

Zahlreiche andere Vorschläge an namhafte Instrumentenbaufirmen in Markneukirchen und Klingenthal zum Bau von Kontrabassposaunen, Bassposaunen, Tenor-Bassposaunen, Altposaunen, sowie Basstrompeten mit einem vierten Ventil, zur Anwendung bei Wagner, Richard Strauss, Mussorgski, Janacek und Strawinsky.

Großes Engagement bei der Beschaffung alter Barockblasinstrumenten wie Zinken, speziellen Posaunen und deren Nachbau.

Einführung der Sopranposaune (Diskantposaune) in der Staatskapelle Dresden (u.a. bei Gluck, Orpheus und Eurydike, Zweiter Akt) wegen ihrer spezifischen, sehr schlanken und glänzenden Tonqualität. Hierzu Bau einer speziellen, verbesserten Diskantposaune in Anlehnung an ein altes, von ihm wieder entdecktes Instrument aus dem 18. Jahrhundert

Wiederholte Einladungen an verschiedene andere Orchester (z.B.: Leipzig und München), um dort bei entsprechenden Werken die Basstrompete (speziell bei Wagner) und die Altposaune (u.a. bei Mozart) zu blasen, wie er es traditionellerweise in Dresden tat, um spezifische Klangqualitäten zu erzielen

Anfertigung von 10 Prototypen spezieller Mundstücke für Posaune vom Diskant bis zum Kontrabass, die bei dem Mundstückdreher Schmidt in Markneukirchen in Serienproduktion gingen.

Gründungsmitglied der Capella Sagittariana Dresden
 

1960 - 1963   Veröffentlichung seines Schulwerks in 3 Bänden (Alois Bambula "Die Posaune", Hofmeister Verlag Leipzig 1960-63), mit 660 Studien und zusätzlichen zweistimmigen Studien alter Meister für Schüler und Lehrer in Verbindung mit der von ihm entwickelten Technik des drucklosen Ansatzes und einer auf traditionellen orientalischen Atem-Methoden sowie wissenschaftlich physiologischen Prinzipien fußenden, speziell für Blechbläser ausgearbeiteten Atemtechnik

Lehrauftrag am Zentralen Musikkonservatorium in Peking, der zu einer methodologischen Umorientierung der gesamten dortigen Blechbläserabteilung führte

Überreichung einer ihm zu Ehren angefertigten Kalligraphie in altchinesischer Schrift von Seiten des Präsidenten der chinesischen Akademie der Wissenschaften und Künste
Auszeichnung mit einer Ehrenmedaille seitens des chinesischen Staates, überreicht vom damaligen chinesischen Premierminister Tschou En Lai.


Alois Bambula um 1960
 

1961 -1969   Durchführung von Weiterbildungslehrgängen für Blechbläser (Musikerzieher).

Wiederholt Spezialunterricht für schon ausgebildete Posaunisten mit Ansatzproblemen, die ihn zum Zwecke der Umschulung des Ansatzes aufsuchten.

Umfangreiche Fachberatertätigkeit unter anderem auch an der Beratungsstelle für Theater und Orchester zur Rehabilitation berufsgeschädigter Bläser an der Charite in Berlin

Berufung in den Künstlerischen Beirat der Dresdner Staatskapelle (1966)

Jahrelanges Engagement für den Wiederaufbau der Semperoper, diesbezüglich aktive Beratungstätigkeit in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden zur Akustik des Semperbaus, die er noch aus der Zeit vor der Zerstörung kannte
 
1970 -1981   Gedankenaustausch mit Operndramaturgen und Dirigenten zu künstlerischen und interpretatorischen Fragen

Herausgeber- und Gutachtertätigkeit für die Musikverlage Edition Peters und Friedrich Hofmeister

Letzter Auftritt als Solist mit der Staatskapelle unter Herbert Blomstedt (1973): Ballade für Posaune und Orchester von Frank Martin

Mitglied der Kommission zur Förderung von Spitzenkräften der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber

Ernennung zum Professor (1974)

Ehrenmitglied der Staatskapelle (1976)

Kunstpreis der DDR (1976) 
 
1982   Ausscheiden aus der Staatskapelle Dresden nach 48-jähriger Tätigkeit.

Ende der Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber"
 
1982 - 1984   Gastprofessur an der Universität für Schöne Künste Tokio

An der Nihon Universität in Japan dienten seine Vorträge als Unterrichtsmaterial

Ehrendoktorwürde in Japan

Unterstützung des Schütz-Chors in Tokio, z.B. Organisierung eines Gastspiels in der Dresdner Kreuzkirche

Ehrenmitglied der Staatsoper Dresden

Alois Bambula war 48 Jahre lang in der Staatskapelle Dresden tätig und musizierte noch unter der Leitung von Richard Strauss und anderen hervorragenden Künstlern, die das 20. Jahrhundert wesentlich prägten. Er hat an zahllosen Gastspielreisen der Kapelle in viele Länder der Welt teilgenommen. Sein kultivierter, warmer und kraftvoller Ton, sein technisch vollendetes, klanglich differenziertes und gestalterisch ausdrucksstarkes Spiel, die auf seiner von ihm selbst entwickelten Ansatz- und Atemtechnik beruhten und wesentlich zu dem für die Dresdner Staatskapelle spezifischen Klangcharakter der Bläsergruppe beitrugen, sind auf den zahlreichen Schallplattenaufnahmen, die die Kapelle in den Jahren seines Wirkens unter Leitung berühmter Dirigenten realisierte, verewigt. Seine langjährigen Kollegen in der Posaunengruppe Werner Bayer, Hans Kästner und Georg Leuschner waren Schüler von ihm gewesen. Auch der Posaunist Alfred Gerwin, der von 1940 bis 1945 an der Staatskapelle tätig gewesen war und im letzten Kriegsjahr als Soldat ums Leben kam, war Schüler von Alois Bambula gewesen. Während seines langen Lebens hat er ca. 120 Posaunisten ausgebildet, einige davon in Japan und China. Viele von ihnen waren und sind an verschiedenen hervorragenden Orchestern tätig und haben ihrerseits Posaunisten ersten Ranges ausgebildet; so u.a. Karl Jakob, langjähriger Soloposaunist am Gewandhausorchester Leipzig und Manfred Eidner, ehemaliger Soloposaunist der Weimarischen Staatskapelle, der seinerseits Lehrer war von Guido Ulfig und Jürgen Umbreit, beide heute in der Staatskapelle Dresden.

Alois Bambula war ungeheuer belesen, hat sich bis zu seinem Tode im Alter von 93 Jahren ständig mit Philosophie, Ästhetik, Kunst und Literatur beschäftigt. Sein spezielles Interesse galt dabei u.a. den griechischen Philosophen der Antike, Kant, Hegel, Marx und Nietzsche. Seine tiefe und breite kulturelle Bildung war für ihn stets die entscheidende Grundlage der künstlerischen und somit auch der ganz spezifisch musikalischen Tätigkeit - ein Prinzip, das er mit Nachdruck seinen Schülern vermittelte und von dem heute das umfangreiche Archiv seiner handschriftlichen Aufnotierungen Zeugnis ablegt.